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Eine neue Kommunikationsdimension

Während meiner Kurstätigkeit im In- und Ausland wurde mir an den verschiedensten Orten immer wieder von ganz ähnlichen Schwierigkeiten zwischen Erwachsenen und Kindern, bzw. Jugendlichen berichtet, in schulischen wie auch in familiären Zusammenhängen. Die meisten dieser Schwierigkeiten konnte ich direkt auf den Unterschied zwischen der 3. und 4. Kommunikationsdimension zurückführen. Die Kluft zwischen den Generationen, die heutzutage immer größer wird, ist eben heute nicht nur die Kluft, die zu allen Zeiten zwischen den Generationen bestand. In unseren Tagen kommt dazu eine Kluft, die daher kommt, dass sich gerade tatsächlich eine neue Kommunikationsdimension im Bewusstsein der Menschen weltweit ausbreitet.

Die unten ausgeführten Gedanken und Beschreibungen von Iris Johansson zur neu sich entwickelnden 4. Kommunikationsdimension aus ihrer mehr als zehnjährigen Forschung über dieses weltweite Phänomen waren für mich sehr erhellend und aufschlussreich. Durch sie konnte ich in aller Regel die geschilderten Schwierigkeiten von beiden Seiten aus klar verstehen und immer wieder als eine Art Brückenbauer zwischen beiden Kommunikationsdimensionen, und damit auch zwischen den Generationen tätig sein.

Da Iris Johansson die Ergebnisse ihrer Forschung zu der neuen Kommunikationsdimension bisher nur mündlich weitergegeben hat, möchte ich an dieser Stelle einiges daraus in meinen Worten zur Verfügung stellen. Kenntnis davon bekam ich in vier einwöchigen Seminaren, in denen wir versucht haben, so viel wie möglich von Iris´ Kenntnissen und Gedanken aufzufassen und zu unserem Eigenen umzubauen. Dies geschah vor allem auch durch Rollenspiele. Iris Johansson selbst hat inzwischen ein so kristallklares Bewusstsein von dem Unterschied zwischen der 3. und 4. Kommunikationsdimension, dass sie beide Seiten völlig authentisch vertreten kann. Auf diese Weise wurde mir der Unterschied besonders deutlich.

 

Verschiedene Kommunikationsdimensionen

In der Kommunikationsentwicklung der Menschheit gab es von Zeit zu Zeit einen Übergang in eine neue Kommunikationsdimension. Wir leben heute in solch einer Zeit, in der sich gerade wieder ein solcher Übergang vollzieht. Um die aktuelle Situation besser begreifen zu können, ist es hilfreich, die historische Entwicklung anzuschauen.

Die folgende Beschreibung der Kommunikationsentwicklung durch die Menschheitsgeschichte ist nur holzschnittartig, indem sie sich auf die großen Übergänge beschränkt. Auch bezieht sie sich nur ganz allgemein und zeitlich nicht sehr detailliert auf die gesamtmenschheitliche Kommunikationsentwicklung. Es gab zwar zu allen Zeiten Menschen, wie z.B. Leonardo da Vinci, die auch in weiteren Kommunikationsdimensionen kommunizieren konnten, als die bis dahin von der Allgemeinheit entwickelten. Wenn solche Menschen jedoch in ihrer Zeit ihre gesamten Kommunikationsmöglichkeiten auch benutzten, wurden sie in der Regel von ihren Zeitgenossen als Spinner angesehen. Das heute Ungewohnte und die derzeit neu entstehenden Möglichkeiten sind allerdings kein Ausnahmegeschehen, sondern es breitet sich eben gerade eine neue Kommunikationsdimension über die gesamte Menschheit aus.

Im Moment gibt es die Strömung der 3. und der 4. Kommunikationsdimension nebeneinander. Die gesamte jüngere Generation lebt selbstverständlich in dem Bewusstsein der seit etwa 1990 sich ausbreitenden 4. Kommunikationsdimension. Obwohl es für diese jüngere Generation bis jetzt noch sehr wenig Vorbilder dafür gibt, wie ein Leben ohne Kompromiss, ganz aus dem Bewusstsein der 4. Kommunikationsdimension heraus aussieht, da im Moment noch das gesamte offizielle Leben ganz aus der 3. Kommunikationsdimension heraus gestaltet ist, hat doch jeder Mensch, der 1990 nicht älter als 5 Jahre war, diese neue Kommunikationsdimension vollständig aus der Atmosphäre in sich aufgenommen. Die gesamte ältere Generation lebt dagegen genauso selbstverständlich in dem Bewusstsein der 3. Kommunikationsdimension.

 

Die 1. Kommunikationsdimension

In der 1. Kommunikationsdimension fand die Kommunikation zwischen Menschen nur im persönlichen Gespräch statt. Wenn zwei oder mehr Menschen zur selben Zeit am selben Ort anwesend waren, unterhielten sie sich über die unmittelbare Gegenwart, über gemeinsam erlebte Vergangenheit oder über Pläne für die Zukunft. Kommuniziert wurde in der Regel nur mit Mitgliedern der eigenen Großfamilie und mit den unmittelbaren Nachbarn. Nur bei Zusammenkünften, wie z.B. zu späterer Zeit sonntags in der Kirche, oder wenn ein Wandersmann vorbeikam, erhielt man Informationen über Geschehnisse, die nicht zum unmittelbaren Lebenszusammenhang gehörten.

Innerhalb des gesamten Lebens lernten die Menschen die Erde und ihre Bewohner meist nur innerhalb von 8 km Radius kennen. Vieles im Leben wurde einfach als gegeben erlebt. Welche Sprache gesprochen wurde, der Tagesablauf, wie und welche Feste gefeiert wurden, sämtliche Riten, Gebräuche, Konventionen und Gewohnheiten wurden als gegeben erlebt. Die meisten Menschen kamen nicht auf die Idee, dass man auch anders leben könnte.

Lernen fand ausschließlich primär, aus dem Leben heraus statt. Die Eltern betrieben entweder ein Handwerk oder Landwirtschaft. Wenn die Kinder dann genügend Jahre mit ihren Eltern zusammen gelebt hatten, hatten sie alles Erfahrungswissen, das die Eltern in sich trugen, direkt aus dem Leben heraus, ohne irgendwelchen zusätzlichen Unterricht, in sich aufgenommen.

 

Die 2. Kommunikationsdimension

Die zweite Kommunikationsdimension begann sich auszubreiten, als der Buchdruck so weit entwickelt war, dass er preisgünstig genug geworden war, um damit Massenproduktion herstellen zu können. Nun war es möglich geworden, z.B. durch eine Reichs- oder Gebietszeitung, allen Menschen eines Gebietes von zentraler Stelle aus, z.B. in wöchentlichem Abstand, dieselbe Information zukommen zu lassen.

Für die menschliche Kommunikation änderte sich dadurch etwas Gravierendes, weil die Menschen nun regelmäßig Informationen von Menschen bekamen, denen sie niemals direkt begegnet waren. Man hatte dem gegenüber, was in der Zeitung stand, in dieser Anfangszeit in etwa das selbe Verhältnis, wie zum Wort vom lieben Gott. Man diskutierte zwar darüber die ganze Woche im heimischen Wohnzimmer, um es zu seinem Eigenen umzubauen, aber kein Mensch kam auf die Idee, es in Frage zu stellen.

In der 2. Kommunikationsdimension wurde es nun auch als vorteilhaft angesehen, sekundäres Wissen zu sammeln und dafür Lesen und Schreiben zu können. Bezogen auf den einzelnen Menschen wurden daheraus Schulen eingerichtet, in denen jedes Kind Lesen und Schreiben lernen sollte, was bis dahin nur sehr privilegierten Klosterschülern vorbehalten war. Die eingeführte Schulpflicht war zu Anfang nicht nötig, um die Kinder dazu zu bewegen, in die Schule zu gehen, denn alle Kinder wollten gerne in die Schule gehen. Die Schulpflicht war nötig, um die Eltern zu verpflichten, die Kinder in die Schule gehen zu lassen. Denn die Kinder waren damals schon sehr früh in den landwirtschaftlichen oder handwerklichen Familienbetrieb eingebunden. Die Schulzeiten wurden zu Beginn dann auch ganz auf die landwirtschaftlichen Notwendigkeiten abgestimmt.

In der 2. Kommunikationsdimension kam zum natürlichen Erwerb von primärem Erfahrungswissen im familiären Umfeld nun also noch der Erwerb von sekundärem Wissen in der Schule hinzu. Aber auch gesamtmenschheitlich wurde ab der 2. Kommunikationsdimension Wissen gesammelt, indem das vorhandene Wissen aufgeschrieben und in Bibliotheken bereitgestellt wurde. Die 2. Kommunikationsdimension hatte weltweit ihren Platz eingenommen, als es in jeder Familie mindestens ein Familienmitglied gab, das Lesen und Schreiben konnte. Das deutlich später entwickelte Radio gehört der Kommunikationsqualität nach ebenfalls noch in die 2. Kommunikationsdimension.

Im Vergleich zur 1. Kommunikationsdimension hat sich während der 2. Kommunikationsdimension das Bewusstsein der Menschen durch das sekundäre Wissen von fremden Kulturen und Lebensmöglichkeiten dahin gewandelt, dass nun vieles als etwas Wählbares erlebt wurde, was in der 1. Kommunikationsdimension noch als unwillkürlich Gegebenes galt.

 

Die 3. Kommunikationsdimension

Das sekundäre Wissen, das die Menschen in der 2. Kommunikationsdimension von fremden Kulturen und Lebensbezügen erhalten hatten, erzeugte eine große Sehnsucht, dieses Fremde auch in der direkten Begegnung kennenzulernen. Aus dieser Sehnsucht heraus wurden in der 3. Kommunikationsdimension dann all die Verkehrsmittel erfunden, die es ermöglichten, dass sich jeder Mensch an jeden Punkt der Erde begeben konnte. Eisenbahn, Dampfschiff, Automobil und Flugzeug.

Hinzu kam noch, dass es durch die Erfindung des Fernsehens möglich wurde, im heimischen Wohnzimmer Bilder und Töne von überall auf der Welt zu empfangen. Beides erweiterte das Bewusstsein der Menschen in Richtung Globalität.

Die 3. Kommunikationsdimension und die industrielle Revolution und die damit einhergehende Umstellung von der Gebrauchs- zur Zuwachswirtschaft, haben zwar von ihrem Wesen nicht zwangsläufig etwas miteinander zu tun, da die 3. Kommunikationsdimension sich durchaus auch innerhalb einer agrarzentrierten und gebrauchswirtschaftlich orientierten Gesellschaft entwickelt hätte. Von der tatsächlichen, historischen Entwicklung her haben sich beide Entwicklungen jedoch vollständig ineinander geschoben.

Für viele Menschen, die aus der Sehnsucht heraus, fremde Kulturen kennenzulernen, in die Ferne zogen, endete ihre Reise allerdings oftmals in industriellen Ballungszentren, wo viele Arbeitskräfte gebraucht wurden.

Im Laufe dieser Entwicklung wurden dann an solchen Industriestandorten auch die natürlichen menschlichen Pflichten, sich um die Alten, Kranken und Kinder zu kümmern, immer mehr zu etwas Sekundärem umgewandelt, das nun professionell angeboten wurde. Zu Beginn oft gratis, um Arbeitskraft freizustellen, später, als die Menschen sich an diese Dienstleistungen gewöhnt hatten, dann gegen Geld. Dies führte dazu, dass die Menschen mehr arbeiten mussten, um die Dienstleistungen weiter bezahlen zu können. Dadurch wurde wiederum die Wirtschaft weiter angekurbelt.

Außer dem Bewusstseinswandel in Richtung Globalisierung, der mit der Ausbreitung der 3. Kommunikationsdimension einherging, fand gleichzeitig noch ein Bewusstseinswandel statt, der durch die Entwicklung von der Agrar- zur Industriegesellschaft, beziehungsweise von der Gebrauch- zur Zuwachsökonomie entstand. Die Menschen verknüpften nun ihren persönlichen Wert mit ihrer Leistung. Man empfand neuerdings, dass man etwas wert wurde dadurch, dass man etwas leistete.

 

Die 4. Kommunikationsdimension

Seit etwa 1990 breitet sich nun die vierte Kommunikationsdimension weltweit aus. Die Kommunikationsmittel wurden inzwischen so weit entwickelt, dass jeder Mensch von jedem Punkt der Erde, ohne sich fortzubewegen, zu jedem anderen Menschen an jedem anderen Punkt der Erde in Kommunikation gehen kann. Die 4. Kommunikationsdimension beschränkt sich aber nicht nur auf die Verwendung von neuen Maschinen und technischen Geräten. Das neu entstehende Bewusstsein vom Zusammenspiel von Lokalem und Globalem, vom Einzelnen und der Weltgemeinschaft führt vielmehr dazu, dass all diese Geräte erfunden wurden. Internet und Handy wurden aus diesem neuen Bewusstsein heraus und zugleich auch da dafür erfunden, um die Kommunikation in diesem Bewusstsein der 4, Kommunikationsdimension überhaupt zu ermöglichen.

Im Bezug auf manches, was während der 3. Kommunikationsdimension allgemeine Gültigkeit hatte, findet gerade ein Paradigmenwandel statt:

  • Lebensqualität, die während der Zeit der 3. Kommunikationsdimension materiellem Besitz zugeschrieben wurde, wird in der 4. Kommunikationsdimension erlebt als etwas, das durch Gemeinschaft, Kommunikation und Kontakt entsteht.

  • Das Menschenbild, welches in der Zeit der 3. Kommunikationsdimension entstanden war, wonach wir Menschen unseren Wert durch unsere Leistung bekommen, wird in der 4. Kommunikationsdimension abgelöst von dem Wissen, dass unser Wert als Mensch einfach bedingungslos gegeben ist, solange wir leben. In der 4. Kommunikationsdimension gilt: Wir können unserem Wert nichts hinzufügen, dadurch dass wir etwas besonders gut machen, und wir können auch nichts an unserem Wert vermindern, dadurch dass wir Fehler machen. Denn Fehler und Unvollkommenheit gehören schlicht dazu zum Leben. Der Sinn des Lebens besteht und erfüllt sich darin, das Leben zu leben.

  • Hatten Menschen, wie z.B. Lehrer in der Schule, während der 3. Kommunikationsdimension Autorität allein dadurch, dass sie Lehrer waren und die Position oder die Rolle des Lehrers einnahmen, so entsteht in der 4. Kommunikationsdimension Autorität nur noch auf Grund des Erlebnisses von persönlicher Integrität und persönlichem Kontakt.

  • Die Zeit, in der es sinnvoll war, Wissen zu sammeln, ist ebenfalls vorüber. Das meiste Wissen steht nicht nur in physischen Bibliotheken, sondern mittlerweile auch via Internet zur Verfügung. Bezogen auf den einzelnen Menschen ist es heute ebenfalls nicht mehr interessant, Wissen zu sammeln, sondern vielmehr, die Fähigkeit zu entwickeln, sich das vorhandene Wissen zu besorgen und es qualitativ einordnen zu können.

  • In der 4. Kommunikationsdimension ist außerdem eine völlig neue Fähigkeit der Autodidaktik vorhanden. Man wird z.B. heutzutage keinen Jugendlichen mehr finden, der eine Gebrauchsanweisung eines technischen Gerätes lesen würde. Die Jugendlichen spielen solange mit den Geräten herum, bis sie genügend Erfahrungswissen gesammelt haben, um es handhaben zu können. Die zur 3. Kommunikationsdimension gehörende Art und Weise, sich belehren zu lassen, hat demnach heute ausgedient.

  • In der Erziehung ging man in der 3. Kommunikationsdimension grundsätzlich aus von dem Bild eines wohlerzogenen Erwachsenen. Und Erziehung bedeutete dann, die Kinder in dieses Bild hinein zu erziehen. Da dies jedoch dazu geführt hat, wo wir heute stehen, z.B. ökologisch und ökonomisch am Abgrund, ist dieses Vorgehen für die junge Generation von heute nicht sehr überzeugend. In der 4. Kommunikationsdimension geht es heute in der „Erziehung“ stattdessen darum, Kindern einen geborgenen Raum zur Verfügung zu stellen, in dem für ihre primären Grundbedürfnisse gesorgt ist und in dem sie da heraus frei sind ihre Talente und Fähigkeiten, ihre Kreativität und auch ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit zu entwickeln. So dass sie eine Chance bekommen, mit ihren heutigen Möglichkeiten, die vorhandenen Probleme auf ihre ganz eigene Weise lösen zu können. Die Erwachsenen können leicht vor allem darin Vorbilder sein, wie man seine eigenen Konflikte löst, weil die Jugendlichen heute an kaum etwas mehr Interesse haben als daran, wie Erwachsene mit ihren eigenen Konflikten umgehen.

  • Durch das neu entstandene Bewusstsein von Lokalem und Globalem, ist der Gedanke, dass Konkurrenz zu etwas Vorteilhaftem führt, in der 4. Kommunikationsdimension nicht mehr überzeugend. Stattdessen entstehen seit einiger Zeit immer mehr Initiativen, die auf einem bewussten Umgang mit einer freien Form der Zusammenarbeit setzen. Open Source Software, Mega Movement oder Crowd Funding sind dafür Beispiele.

  • Durch das neu entstehende Bewusstsein vom Lokalen und Globalen wird es außerdem auch für die Allermächtigsten immer schwerer, Geheimnisse geheim zu halten. Der Auftritt von „Wistleblowern“ legt weltweit dafür ein eindrucksvolles Zeugnis ab.

 

Wir leben in einer interessanten und spannenden Zeit, in der beide Ströme nebeneinander existieren. Ich gehe davon aus, dass es eine Frage von kritischer Masse sein wird, wann der Strom der 4. Kommunikationsdimension übernehmen wird, die Richtung vorzugeben. Spätestens, wenn es ökonomisch oder ökologisch zu den absehbaren Katastrophen kommt, wird deutlich sein, dass das Alte nicht mehr trägt. Spätestens dann wird auch für alle sichtbar sein, dass unser heutiges Schulsystem in einer Sackgasse gelandet ist.

Bezogen auf die Pädagogik wird sich dann die Frage stellen, wie eine zeitgemäße und zukunftsfähige Schule aussehen kann. Es wird gut sein, wenn es dann Menschen gibt, die nicht nur eine Ahnung davon haben, sondern schon konkrete Erfahrungen, wie das Neue aussehen könnte. Unter anderem aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, nach Möglichkeit eine solche Schule aufzubauen.

 

Autor dieses Artikels:   

(nach den Forschungen und Gedanken von Iris Johansson)